I. Wissenschaft


a) Geistes- und Kulturwissenschaften


Clemens Ableidinger

»Psychiatrie als Diskurs- und Politikfeld: Entstehung und Entwicklung des Politikfelds mental health unter Franz Joseph I.«

Das Projekt untersucht die Integration der psychiatrischen Versorgung in das entstehende "öffentliche" Wohlfahrtswesen der späten Habsburgermonarchie. Akademisierung, Verrechtlichung und Strukturentwicklung der Psychiatrie werden als Teilsysteme eines entstehenden Politikfelds analysiert, in welchem gesellschaftliche, medizinische und politische Akteure wirkten. Das Projekt zeigt daher in einem klar definierten Politikbereich, wie sich der Wandel der Monarchie zu einem "konföderativen Doppelhaus" (Jana Osterkamp) auf die Gestaltung von Politikfeldern auswirkte.


Julia Gspandl

»Semiotische Repertoires und Sprachgebrauch gehörloser Migrant:innen in Österreich«

Gehörlose Migrant:innen sind in Österreich sowohl mit einer neuen Laut- bzw. Schriftsprache als auch einer neuen Gebärdensprache konfrontiert. Das Forschungsprojekt untersucht mittels semi-strukturierter Interviews mit 12 gehörlosen Migrant:innen aus Europa und Asien auf welche Faktoren des Sprachhintergrunds sich Unterschiede im aktuellen Sprachgebrauch zurückführen lassen. Die Analyse der Interview-Aussagen sowie der beobachteten Kommunikationsstrategien und -kompetenzen der Teilnehmenden zeigt ihr besonderes kommunikatives Potenzial auf und liefert erste Erkenntnisse für die Schaffung bzw. Verbesserung von Umfeldern, die diese einzigartige Personengruppe fördern. 

Nora Maria Lehner

»Kommerzielle Sexualität und sexueller Tauschhandel im Wien der Nachkriegszeit (Mitte der 1940er-Mitte der 1970er Jahre)(Arbeitstitel)«

In westlichen Gesellschaften dient(e) die Auseinandersetzung mit Prostitution vielfach dazu, Sexualität und Sexualverhalten zu normieren. Kommerzielle Sexualität und sexueller Tausch dienen im Projekt daher als Linse, um gesellschaftliche Transformations- und Normierungsprozesse in den ersten vier Nachkriegsjahrzehnten in Wien zu beleuchten. Analysefokus liegt dabei auf den Akteur:innen der urbanen kommerziellen Sexualität, insbesondere den Frauen, die sexuelle Dienstleistungen verkauften und ihren Erfahrungen, Strategien und Handlungsspielräumen sowie der reglementierenden Polizei und deren Prostitutionskonzepten. 

Katharina-Maria Schön

»Eutopia nusquama - Polyphonie, Paradoxie und philosophische Staatskonstruktion in der "Utopia" des Thomas Morus«

Die Utopia des Thomas Morus ist ein bewusst ambivalent gestaltetes Werk. Bis heute wird es entweder als prophetische Vision einer besseren Zukunft, als Fürstenspiegel, als satirischer Gegenentwurf zur Realität, als philosophischer Traktat oder als proto-kommunistisches Manifest gelesen. Meine Arbeit zeigt, dass keine der genannten Einzeldeutungen die Komplexität der Utopia zur Gänze erfasst, sondern dass die dialektische Offenheit des Werkes erst mit den Konzepten der „Polyphonie“ und „Paradoxie“ kohärent gedeutet werden kann. Der britische Humanist treibt ein humorvolles Spiel, dem eine ernste Botschaft unterliegt, und legt damit den Grundstein für ein neues literarisches Genre: die Utopie.


b) Medizin, Naturwissenschaften und Technik 


Farokh Mivehvar

»Non-rigid Supersolids in Cavity Quantum Electrodynamics«

A "supersolid" is a proposed exo/c and paradoxical quantum phase of maDer, which behaves as both a "superfluid" flowing without viscosity and a crystalline "solid". For over 50 years, it remained elusive. However, since 2017 there has been strong experimental indica/ons to its existence. We have theore/cally proposed a viable scheme to realize a non-rigid supersolid state with "phononic" and "rotonic" excita/ons in state-of-the-art experiments in cavity quantum electrodynamics with quantum gases. In par/cular, we propose to use many, so-called "longitudinal modes" of a ring cavity, thereby simula/ng tunable interatomic interac/ons desired for the forma/on of a non-rigid supersolid.

Larissa Traxler

»Zellulärer Stoffwechsel als neuer Angriffspunkt für Alzheimer Therapie«

Die Alzheimer Krankheit ist eine unheilbare Form der Demenz, dessen molekulare Hintergründe noch ungeklärt sind. Mit Hilfe von direkt konvertierten Neuronen, generiert aus Hautzellen von Erkrankten, konnten wir eine Abweichung des zellulären Zuckerstoffwechsels als Ursache für den Verlust der Neurone im Gehirn der Patienten feststellen. In diesem Projekt untersuchen wir das Stoffwechsel-Proteins Pyruvat Kinase und dessen Rolle in Alzheimer. Unser Ziel ist es, durch ein besseres Verständnis über die Veränderungen des zellulären Stoffwechsels in Alzheimer Neurone, neue Angriffspunkte für Therapien zu entwickeln.



c) Rechtswissenschaften 


Felicia Kain

»Die Koordinierung von Familienleistungen«

Die Koordinierung von Familienleistungen, wie zB der Familienbeihilfe, wird von einem Zusammenspiel zwischen nationalem Recht, Europarecht sowie Völkerrecht geprägt. Werden Personen grenzüberschreitend aktiv, gehen damit immer die Fragen einher, welcher Staat sozialversicherungsrechtlich zuständig ist und welche Leistungen wo bezogen werden können. Hinsichtlich Familien gestaltet sich die Lage besonders komplex, weil mehr als eine Person berücksichtigt und somit oft mehrere Leistungen koordiniert werden müssen. Das Forschungsprojektanalysiert die Koordinierung von Familienleistungen im Detail, um zu einer rechtskonformen Sozialgesetzgebung und Gesetzesanwendung beizutragen.


Marina Murko

»Die Pflichten von Unternehmen und ihren Leitungsorganen für Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten«

Die Arbeit beschäftigt sich mit der unternehmerischen Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten. Dahinter steht die Ansicht, dass Unternehmen ihr Handeln nicht frei von gesellschaftlicher Verantwortung gestalten können, sondern die Auswirkungen auf ihre Stakeholder in transnationalen Lieferketten berücksichtigen müssen. Die Arbeit analysiert die geltenden Berichterstattungs- und Sorgfaltspflichten österreichischer Unternehmen und entwickelt daraus konkrete Pflichten der Unternehmensleitung. Es wird gezeigt, dass österreichische Unternehmen und ihre Organe bereits de lege lata menschenrechtsbezogene Pflichten treffen, die in absehbarer Zukunft erweitert werden.


d) Sozial- und Wirtschaftswissenschaften


Magdalena Eitenberger

»Technologizing Care in Chronic Illness: A Policy Analysis of Health Technologies for Type 1 Diabetes in Austria«

Das Projekt beschäftigt sich mit politischen Entscheidungsprozessen zu Nutzung, Verteilung und (Nicht-)Finanzierung von Typ 1-Diabetestechnologien im österreichischen Gesundheits- und Sozialsystem. Ein Schwerpunkt liegt auf der Erforschung des Zugangs zu bestmöglicher medizinischer Behandlung von chronisch kranken Menschen in Österreich, sowie (impliziten) Exklusionsmechanismen, die ebendiese Versorgung beeinflussen, somit mögliche Ungleichheiten erzeugen und sozialer Gerechtigkeit abträglich sind. Aus wissenschaftstheoretischer und politikwissenschaftlicher Perspektive gibt das Forschungsprojekt so Anstoß für systemimmanente Veränderungen für gleichberechtigte medizinische Versorgung.  


Clara Holzinger

»Street-level Bureaucracies im Kontext migrationbedingter Heterolingualität. Eine Untersuchung des institutionellen Umgangs mit Mehrsprachigkeit am österreichischen Arbeitsmarktservice«

Das Dissertationsprojekt untersucht am Beispiel des österreichischen Arbeitsmarktservice den Umgang sozialstaatlicher Organisation mit gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit. Dabei nehme ich die institutionalen Rahmenbedingungen und das dominante Sprachregime ebenso wie die Auswirkungen auf die in der Organisation handelnden Akteure (Street-level Bureaucrats und Klient*innen) sowie deren Handlungsstrategien in den Blick. Ich verfolge einen interpretativen Forschungsansatz, der sich an den Prinzipien der konstruktivistischen Grounded Theory orientiert und eine Methodentriangulation vorsieht.


II. Kunst


a) Bildende Kunst und Fotografie


Raffaela Bielesch

»Ablenkungsmanöver«

Es geht um das Aufeinandertreffen verschiedener Geschichten aus meinem Heimatdorf Stripfing im östlichen Niederösterreich. Sie hängen nicht direkt zusammen und bilden keine kontinuierliche Erzählung, aber zeugen sowohl von Alltäglichem als auch von Ausnahmesituationen und menschlichen Strategien diesen zu entkommen - zeitlich angesiedelt im und nach dem zweiten Weltkrieg. Abgeworfene Düppel (Stanniol-Streifen, die das Radar stören) als Christbaumbehang, ein Mordfall, ein Familiengeheimnis, eine Flucht und ein Toter am letzten Kriegstag.
Die Quellen sind Gespräche, Architektur, Spurensuchen und Interpretationen, die künstlerisch fotografisch und installativ zusammenspielen.


Johanna Binder

»Junto«

„Junto“ ist ein fiktiver Dokumentarfilm und ein multimediales Archiv über eine Dorfgemeinschaft namens Mamaira und deren tänzerische Praxis, die tief in ihrem Alltag und Sozialleben verwurzelt liegt. Die Besonderheit der Mamaira besteht darin, weder eine linguistische Zuweisung von Mann und Frau noch ein Wort für das Personalpronomen „Ich“ zu kennen. Vielmehr benützen sie das Personalpronomen „Wir“, um das eigene Subjekt zu repräsentieren, was zunächst auf ein ausgeprägtes kollektives Bewusstsein zu verweisen scheint. Trotz der egalitären sozialen und politischen Strukturen und traditionellen Riten gerät die kollektive Harmonie bei näherer Betrachtung jedoch ins Wanken…



Heti Prack

»Freundschaft«

Freundschaft ist der Titel einer deutschen Zeitschrift für homosexuelle Männer, die zwischen 1919 und 1933 erschienen ist und das wichtigste Organ einer frühen  Homosexuellenbewegung in Deutschland war. Freundschaft ist aber zeitgleich auch ein Gruß und Kampfspruch unter den Genoss:innen der Arbeiter:innenbewegung.
Mit visuellen Mitteln und mithilfe vorhandener Moden und Ästhetiken der 1920er/30er wird ein Queering dieser Zeit unternommen. Fiktive Rollmodels verknüpfen den Kampf der Arbeiter:innen um Ihre Rechte mit dem Kampf queerer Personen um Gleichstellung. Zudem greift das Projekt mit dem Titel - Freundschaft - den revolutionären Geist der Zwischenkriegszeit auf.



Kilian Immervoll

»1340 km«

Der Dokumentarfilm »1.340 km« begibt sich an den östlichsten Punkt der Europäischen Union – dorthin wo ihre längste Außengrenze auf Russland trifft. Von Hamina – einer Hafenstadt am finnischen Meerbusen – ihrem südlichsten Punkt, verläuft sie durch unbewohnte Taiga-Wälder und dünn besiedelte ländliche Gebiete hin nach Norden bis zum Treriksrøysa, dem gemeinsamen Grenzpunkt des Dreiländerecks, ohne dabei einem bestimmten natürlichen Merkmal zu folgen. Ein paar hundert Meter ins Land hinein reicht ihre Sperrzone, ein Areal, das niemand ohne Passierschein betreten darf. An beiden Seiten wird der Wald dort jährlich mehrere Meter breit von Bewuchs befreit. So entsteht ein kilometerlanger Korridor, der den Wald teilt und die beiden Länder voneinander trennt. An einigen Stellen ist diese Grenzlinie dadurch sogar als dunkler Strich über Satellitenbild sichtbar. Das Filmprojekt formuliert die Frage, was das eigentlich für ein Ort ist – diese Grenze – die Finnland und Russland voneinander trennt.


Pia Mayrwöger

»Arbeitstitel `Baugerüst´«

Dabei wird ein handelsübliches Baugerüst mit einer Länge von ca. 55-60 Metern und einer Höhe von ca. 6 Metern im Außen Raum aufgebaut. Danach wird es an einem Ende kontrolliert zum Umfallen gebracht. Wie auch in vorangegangenen Arbeiten liegt die Konzentration auf dem Wesen eines aus dem Baugewerbe entwendeten Gegenstandes mit deren Hilfe die Grenzen zwischen industrieller Produktion und dem Wert des künstlerischen Objektes ausgelotet wird. Das Baugerüst verliert seinen Nutzen und wird nunmehr zu einem skulpturalem Objekt.



 

Christiane Peschek

»OASIS - a virtual spa«

Der Mensch in seinem digital erweiterten Sein ist polymorph - in verschiedenster Gestalt und Form vorhanden mit einem konstanten Geist. Diese erweiterte Existenz bedarf einer Überarbeitung ihrer Entspannungs- und Pflegeräume. Existenzräume im Digitalen unterliegen nicht den selben Gesetzmäßigkeiten wie die eines materiellen Raum, Körper sind weder an begrenzende Hüllen gebunden noch einer Schwerkraft unterworfen und bedür- fen auch einer anderen Hinwendung als ihre fleischlichen Pendants. Mit OASIS schaffe ich einen physischen als auch virtuellen Ort, der sich zwischen Materiellem und Digitalem bewegt, an dem sich ein Maximum an Körperlichkeit mit einem Maximum an Bewusstsein verbindet.


b) Literatur  


Eva Lugbauer

»Derr Stachel«

Es ist 1994. Lore ist zehn, lebt auf dem Land und kennt weder das Wort Rollenbild noch das Wort Feminismus. Was sie spürt: Etwas stimmt nicht mit dieser Welt. Irgendwo steckt ein Stachel, der alles vergiftet.
Der naive Blick der Zehnjährigen legt jene Machtstrukturen offen, die dem Patriarchat zugrunde liegen und zeigt, wie sich Geschlechterstereotype im Subtilen, scheinbar Normalen einschleichen. Die schlechte Nachricht: Überwindung ist schwierig. Die gute: Sie ist möglich. Der Weg ist lang, doch irgendwann sagt die erwachsene Lore: Ich bin Feministin.
Das Romanprojekt „Der Stachel“ ist Wutausbruch. Und Versöhnung. Enttäuschung. Und Lust. Labyrinth. Und Entdeckungsreise.

Elena Messner

»Außer Kraft. Roman«

Als die 79-jährige Barbara Steindl bewusstlos auf der Toilette ihres Zimmers gefunden wird, ist das Krankenhauspersonal ratlos. Während die Patientin auf der Intensivstation um ihr Leben kämpft, entbrennt ein Streit um Erklärungen, Schuld und Entscheidungen. Bis schließlich die stationsführende Ärztin Judit Kasparek ein Ethikkonsil einberuft, das den Fall aufklären soll. Dabei wird immer deutlicher, wie sehr Liberalisierung und ökonomische Optimierung die Gesundheitsversorgung beeinträchtigen. 
Der Roman zeigt mittels vibrierender sprachlicher Intensität das komplexe System Krankenhaus als Reibungsfläche zwischen Rentabilität und Patient:innenwohl und geht der Frage nach der Verantwortung in der Medizin literarisch auf den Grund.


Zarah Weiss

»Zwischen Zwei Flüssen«

Zwischen Zwei Flüssen erzählt von der Wichtigkeit des Erinnerns und des Kommunizierens: Noa und Ida fahren mit ihrer dementen Großmutter Else an deren Geburtsort in der Hoffnung, mehr über die Dämonen ihrer Vergangenheit und damit auch die eigene Geschichte zu erfahren. Doch die Erinnerungsreise stellt sich als Spurensuche für alle drei Frauen heraus: Nicht nur erlebte die adoptierte Noa eine ganz andere Jugend als Ida, auch steht Unaussprechliches zwischen ihnen – bis sie in der Dämmerung am Zielort ankommen.
Wie lässt sich Unsagbares kommunizieren? Warum stellen wir Fragen oft erst, wenn es zu spät ist? Und was bleibt von einer Person übrig, wenn alles aus ihrem Gedächtnis verschwindet?


c) Musik und Komposition 


Alessandro Baticci

»Icona - a digital violin concerto«

Icona is a new violin concerto, composed for a new musical instrument, unique in its kind.
In the last years I have developed various integrated instruments and new interfaces of expression, as part of my artistic research. The DigitAize digital violin represents the result of years of research in the field of smart musical instruments. It is an acoustic violin, which is digitally integrated and allows to translate playing data in real-time and control virtual sounds from any computer or digital audio workstation. In Icona, the soloist controls through this instrument various virtual instruments, based on physical modeling and interacts in this way with the acoustic body of the orchestra. During the performance, all playing data of the soloist will be recorded and transformed into an NFT. This unique token represents the digital sediment of the composition. 

Katharina Roth

»Kassandra - absolutes Gehör für die Tonhöhe des Gewispers«

Kassandra ‒ die Frau, die ausspricht, was andere nicht sehen wollen oder können, deren Warnungen ungehört bleiben und ignoriert werden, bildet den Ausgangspunkt für meine Musiktheaterszene für zwei Sängerinnen und Elektronik. Formen weiblicher Sozialisation und Beziehungsgestaltung spielen dabei eine zentral Rolle. Die wichtigen Wendepunkte des Lebens vieler Frauen sind von Ritualen begleitet: Geschlechtsreife, Hochzeit, Geburt eines Kindes, … Verschiedene Resonanzmomente, die z.B. mit aufmerksamen Zuhören oder auch mit Klagegesängen verbunden sind, strukturieren die unterschiedlichen Teile eines großen Rituals.


III. Stiftungspreise im Rahmen des Theodor Körner Fonds

Julia Grillmayr

Stiftungspreis der Stadt Wien (Geistes- und Kulturwissschaften)

»Lobau - eine ortsspezifische Erkundung«

"Lobau – eine ortsspezifische Erkundung" ist Julia Grillmayrs Beitrag zu einer experimentellen Vermessung der Auen zwischen Donaustadt und Hainburg, die sie gemeinsam mit Christina Gruber und Sophia Rut unternimmt. Das Projekt verknüpft kulturwissenschaftliche, künstlerische, umweltgeschichtliche Ansätze und sammelt historische, persönliche, sozial- und verkehrspolitische sowie ökologische Fakten, Erzählungen und Eindrücke, die an diesen spezifischen Raum geknüpft sind. Mit großem Respekt vor dem Material, werden diese Elemente auf ungewöhnliche und überraschende Weise miteinander in Dialog gebracht, sodass die 'reichhaltige Gegenwart' ('thick present', Karen Barad) der Lobau greifbar wird.


Anna Kitta

Stiftungspreis der Stadt Wien (Medizin, Naturwissenschaft & Technik)

»Voreingenommenheit und Ängsten mit Comics begegnen. Information über Palliativmedizin mittels Kunst.«

Unwissen und Angst kann bei Menschen mit unheilbaren Krankheiten zu einem Zögern in der Inanspruchnahme von Palliativmedizin führen. Dieses Projekts adressiert die Frage, inwieweit anhand von Kunst mit betroffenen Menschen gemeinsam eine Informationsquelle geschaffen werden kann, die über Palliativmedizin aufklärt und Ängste nimmt sowie welche Informationsbedürfnisse schwer kranke Menschen haben. In Einbezug von Patient:innen einer Palliativstation wird ein Aufklärungs-Comic erstellt und in Folge mittels qualitativer Forschung ausgewertet, ob dieser Menschen eine hilfreiche Ressource in dieser existentiellen Lebenssituation bieten kann.


Lydia Burgstaller

Klimaschutz-Preis - gewidmet vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie

»Klima- und Umweltflucht: Gibt es ein Recht auf Erhalt der Lebensgrundlage?«

Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage nach einem Recht auf Erhalt der Lebensgrundlage iZm Klimamigration. Die Bedrohung des Lebens und der -grundlage durch den Klimawandel führt immer häufiger zur Flucht. Sowohl in Hinblick auf die Menschenrechte als auch völkerrechtlich gibt es jedoch kaum Schutz für Klima- und Umweltflüchtlinge. Die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen müssen daher durch eine Rechtsstellung für Klima- und Umweltflüchtlingen de lege ferenda ergänzt werden – hierbei spielen Überlegungen der Klimagerechtigkeit eine wesentliche Rolle. Die interdisziplinäre Betrachtung (Rechtswissenschaften/Soziologie) soll zu einer ganzheitlichen Beantwortung der Fragen beitragen.

IV Herbert Tumpel Preis

Daniel Marcher

»Mehrsprachigkeit im dualen Ausbildungssystem. Untersuchung zum Spracherleben migrierter und geflüchteter Akteur*innen mit Deutsch als Zweitsprache in der österreichischen Lehrlingsausbildung.«

Die Berufsausbildung von Menschen mit Flucht-/Migrationserfahrung steht in Österreich aktuell im Zentrum einer politischen Debatte um Fachkräftemangel, Asylverfahren und (Arbeitsmarkt-)Integration. Relativ unklar scheint dabei jedoch noch die Rolle von Sprache bzw. Spracherwerb zu sein. Im Rahmen dieses Projekts werden Lehrlinge, die Deutsch im Zuge einer Flucht-/Migrationserfahrung erworben haben, über ein Jahr lang in ihrem Berufsausbildungsalltag in Österreich begleitet. Ziel ist es, Erkenntnisse zu den sprachlichen Praktiken der Wissensvermittlung in Berufsschule und Arbeitsplatz sowie ihren potenziellen Auswirkungen auf einen erfolgreichen Lehrabschluss im Zweitsprachkontext zu gewinnen.