Theodor Körner Preisträger:innen 2022


    I. Wissenschaften


    a) Geistes- und Kulturwissenschaften

    Greca Nathascia Meloni

    Making Honey-Making Identity. Policies and Beekeeping in Sardinia
    The research aims to investigate in which ways ‘identity’ is negotiated, constructed, and
    deconstructed by social actors involved in the field of beekeeping in Sardinia (Italy), and how EU policies for environmental management interact to this process.
    Portrait Greca Nathascia Meloni © Klaus Pichler

    b) Medizin, Naturwissenschaften und Technik

    Nicole Sommer

    Immunreaktion auf Magnesiumimplantate im osteoporotischen Knochen
    Osteoporose führt zu einer Schwächung des Knochens, welche mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche einhergeht. Derzeit ist es üblich, Implantate aus Titan oder Stahl zur Stabilisierung von Knochenbrüchen zu verwenden, jedoch sind diese Materialien auf Grund ihrer mechanischen Eigenschaften oftmals nicht ideal und können den Knochen zusätzlich schwächen. Magnesiumimplantate stellen auf Grund ihrer Biokompatibilität und der mechanischen Eigenschaften, welche ähnlich dem Knochen sind, eine gute Alternative dar, jedoch reagiert das Immunsystem unterschiedlich auf diverse Implantatmaterialien. Daher ist das Ziel dieser Studie, Magnesiumimplantate in einem Osteoporosemodell hinsichtlich der Immunreaktion zu untersuchen.
    Portrait Nicole Sommer © Nicole Sommer

    Dennis Svatunek

    In vivo Chemie für die Krebstherapie
    In vivo Chemie beschreibt biokompatible chemische Reaktionen, die in Lebewesen durchgeführt werden können. Diese können in der Krebstherapie dazu genützt werden um Therapeutika gezielt in an das Tumorgewebe zu binden oder dort freizusetzen, was die Wirksamkeit erhöht und Nebenwirkungen verringert. Im Rahmen dieses Projektes werden die dazu benötigten chemischen Reaktionen für diese Anwendungen mit Hilfe von theoretischen und experimentellen Methoden optimiert.
    Portrait Dennis Svatunek © Dennis Svatunek

    c) Sozial- und Wirtschaftswissenschaften

    Fabian Kalleitner

    Explaining preferences for redistributive taxation

    Die Arbeit untersucht unter welchen Bedingungen Menschen progressiv umverteilende Steuern akzeptieren oder auch einfordern. Um diese Frage zu beantworten, werden experimentelle und nicht experimentelle quantitative Daten analysiert und so gezeigt, wie wichtig Informationen, Fairnessideale und ökonomisches Eigeninteresse für die Steuerwünsche der Bevölkerung sind. 

    Portrait Fabian Kalleitner © Fabian Kalleitner

    II. Kunst


    a) Bildende Kunst und Kunstfotografie

    Daniel Fill

    Fortezza/Franzensfeste

    „Fortezza - Franzensfeste“ ist ein dokumentarisches Filmprojekt über den gleichnamigen Ort und Verkehrsknotenpunkt in Südtirol. Hier treffen die baulichen und gesellschaftlichen Hinterlassenschaften der Habsburger und des italienischen Faschismus auf die vom Massentourismus geprägte südtiroler Gegenwart. Dieser Film wird ein Portrait dieses Ortes und der Menschen, die dort leben.

    Portrait Daniel Fill © Daniel Fill

    Julia Gaisbacher

    What remains!?
    "What remains!?" befasst sich mit dem nicht realisierten Stadtentwicklungsprojekt "Zagreb Manhattan", dem zivilen Widerstand zur Verteidigung des urbanen, öffentlichen Raums und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Stadt. Während Julia Gaisbacher in dem mehrjährigen Projekt “One Day You Will Miss Me” die Folgen eines überproportionierten Immobilienprojekts auf die historische Stadtstruktur Belgrads mit den Mitteln der Kunst analysierte und verarbeitete, stellt das darauffolgende Projektpendant die Frage, was passiert, wenn ein derartiges geplantes Stadtteilentwicklungsprojekt nicht realisiert wird. Was bleibt von dem geschaffenen öffentlichen Bewusstsein für das Stadtgefüge? Was wird aus den ursprünglich zum Abriss freigegebenen Gebäuden und Arealen? Und welche Form des Protests ist nötig um ein Projektgeschehen zu beeinflussen? Ausgehend von intensiven fotografischen Recherchen, Interviews und weiteren Formen der Bestandsaufnahme vor Ort, entwickelt Julia Gaisbacher multimediale Werkserien deren Materialität auf das Thema und den Ort verweisen.
    Portrait Julia Gaisbacher © Theresa Wey

    b) Literatur

    Sandro Huber

    DOUX

    DOUX ist ein Gedichtzyklus, der sich der Ästhetik des Rokoko bedient, um etwas über die Gegenwart zu lernen. Da sind komplizierte Kommoden, Objekte aus Lack und Porzellan,
    Instrumente um dem Anderen zu begegnen. "Das Überflüssige, diese sehr notwendige
    Sache", sagt Voltaire dazu.

    Portrait Sandro Huber © Daniel Fill

    Lisa Viktoria Niederberger

    Fische freischneiden
    Ist Romanprojekt rund um das Zwillingspaar Andi und Agnes, ist täglich Benzos und
    Ramen zum Abendessen, eine Wohnung voller Umzugskartons, ist Kampfkunst,
    Hokkaidokürbisse, die ganze Gärten überwuchern und Kois im Mühlviertel. Trennungen, Tränen, aber auch Versöhnungen und Solidarität zwischen Frauen, die gemeinsam Gewalterfahrungen verarbeiten. Ein Karbonpfeil, der einen Unterarm durchbohrt und Geschenke an einen Mann, der neu in der Nachbarschaft ist.
    Portrait Lisa Viktoria Niederberger © Jasmin Walter

    b) Musik

    Sehyung Kim

    re:lunaire
    re:lunaire ist das Stück, das anlässlich des 70. Todesjahres von Arnold Schönberg entstanden ist. Der Titel und die Besetzung des Stücks verweisen auf seinen Stück Pierrot lunaire, op.21. Es handelt sich jedoch keineswegs um eine Fortsetzung des Zyklus oder um einen Versuch, diesen fortzusetzen. Es ist ein Versuch, unsere Zeit durch das Prisma der Figur des Pierrots zu definieren, der nicht mehr existiert. Was von ihm übrig ist, sind die Artefakte seiner Menschlichkeit, ein demenzierendes Bewusstsein in 21 apokalyptischen Momenten des unseren Jahrhunderts.
    Portrait Sehyung Kim © Sofia Pinaeva

    III. Stiftungspreise im Rahmen des Theodor Körner Fonds

    Cornelia Dlabaja

    Die Seestadt Aspern ein Stadtteil im Werden: Umkämpfte Raum- und Bedeutungsproduktionen: Städtische Aushandlungen in Imaginationen, Praktiken und (An)Ordnungen
    Stiftungspreis der Stadt Wien (Geistes- und Kulturwissenschaften)
    Das Projekt untersucht Entscheidungs- und Aushandlungsprozesse der Stadtteilproduktion. Dabei geht sie der Frage nach welchen Politiken und Vorstellungen von Stadt im Prozess der Planung, Besiedelung und des Wohnens im Stadtteil wirkmächtig werden. Es wird multiperspektivisch empirisch fundiert nachgezeichnet welche Ideen und Visionen von den involvierten Akteur:innen der Planung, aber auch der Bewohnerinnen sich wie in der Seestadt manifestieren. Dlabaja erforscht den Stadtteil über mehre Jahre als die Planung begleitende Forscherin und später als temporäre Bewohnerin im Zuge ihrer Feldforschungen. Neben der qualitativen ethnographischen Stadtforschung die zahlreiche Interviews, aber auch Daten aus den Bewohnerbefragungen umfasst, wertet das Projekt auch Diskurse und Imaginationen auf Facebook-Forschen und Instagram aus.
    Portrait Cornelia Dlabaja © Cornelia Dlabaja

    Lukas Meissel

    The Perpetrator’s Gaze: SS Photographs taken at Concentration Camps
    Stiftungspreis der Stadt Wien (Geistes- und Kulturwissenschaften)
    Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Fotografien, die von SS-Männern in Konzentrationslagern aufgenommen wurde. Das Ziel ist nicht nur darzustellen was auf diesen Aufnahmen zu sehen ist, sondern diese als visuelle Erzählungen der Täter über die Konzentrationslager zu deuten. Die Fotografien zeigen, wie die Lager aus Sicht der SS zu funktionieren hatten, sie sind also Ausdruck ideologischer und praktischer Vorstellungen der Täter und erfüllten konkrete Funktionen in der Legitimierung der Konzentrationslager innerhalb der SS und darüber hinaus.
    Portrait Lukas Meissel © Lukas Meissel

    Stefan Heiss

    Künstliche Intelligenz und Haftung
    Innovations-Preis - gewidmet vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie
    Unzureichende Haftungsregeln können die Entwicklung neuer Technologien, wie die der
    Künstlichen Intelligenz (KI), in eine inadäquate Richtung steuern. Damit Anreize für den Einsatz sozial wünschenswerter KI gesetzt werden, nimmt das Haftungsrecht eine zentrale Bedeutung ein, da es ein wichtiges Instrument der Risikosteuerung darstellt. Ziel des hiesigen Forschungsprojektes ist es, durch ökonomische und rechtsvergleichende Analysen Kriterien zur risikobasierten Unterscheidung zwischen KI-Systemen zu entwickeln. Sodann sind den Risikoklassen angemessene Haftungsregeln zuzuweisen. Je größer das Risiko eines KI-Systems, desto striktere Regeln sollen einhergehen.
    Portrait Stefan Heiss © Stefan Heiss

    Stephanie Rizaj

    A Collection of Collective Gestures
    Stiftungspreis der Österreichischen Nationalbank

    Gesellschaftliche Herausforderungen machen umso deutlicher, dass keine gute Arbeit basierend auf den Prämissen des Individualismus funktioniert. "A Collection of Collective Gestures" untersucht auf interdisziplinäre Weise, Formen des kollektiven Zusammenhalts als performativen Akt.

    Portrait Stephanie Rizaj © Stephanie Rizaj

    IV. Herbert Tumpel-Preis

    Friedrich Erhart

    BRAIN FOCUS - Modulation und Messung der Blut-Hirn-Schranke für die Behandlung von neurochirurgischen Patientlnnen
    Die Blut-Hirn-Schranke ist ein aktives neurobiologisches System, das den Eintritt von Substanzen in das Gehirn regelt. Neuartige Methoden der Neurochirurgie, wie der fokussierte Ultraschall, erlauben eine zielgerichtete Öffnung derselben für medizinische Zwecke. Welche Anwendungsszenarien hierfür optimal sind ist jedoch noch kaum erforscht. Im Rahmen des Projektes BRAIN FOCUS sollen erste klinische Applikationen exploriert werden.
    Portrait Friedrich Erhart © Friedrich Erhart