Aus den zahlreichen Einreichungen 2021 hat das Kuratorium auf Basis eines zweistufigen Begutachtungsverfahrens die PreisträgerInnen des heurigen Jahres gekürt. Wir gratulieren sehr herzlich:

I. Wissenschaft

a) Geistes- und Kulturwissenschaften

DLABAJA Cornelia

Wiener Preis - gestiftet von der Kulturabteilung der Stadt Wien

»Die Seestadt Aspern ein Stadtteil im Werden: Umkämpfte Raum- und Bedeutungsproduktionen: Städtische Aushandlungen in Imaginationen, Praktiken und (An)Ordnungen«

Das Projekt untersucht Entscheidungs- und Aushandlungsprozesse der Stadtteilproduktion. Dabei geht sie der Frage nach welchen Politiken und Vorstellungen von Stadt im Prozess der Planung, Besiedelung und des Wohnens im Stadtteil wirkmächtig werden. Es wird multiperspektivisch empirisch fundiert nachgezeichnet welche Ideen und Visionen von den involvierten Akteur:innen der Planung, aber auch der Bewohnerinnen sich wie in der Seestadt manifestieren. Dlabaja erforscht den Stadtteil über mehre Jahre als die Planung begleitende Forscherin und später als temporäre Bewohnerin im Zuge ihrer Feldforschungen. Neben der qualitativen ethnographischen Stadtforschung die zahlreiche Interviews, aber auch Daten aus den Bewohnerbefragungen umfasst, wertet das Projekt auch Diskurse und Imaginationen auf Facebook-Forschen und Instagram aus.


MEISSEL Lukas

Wiener Preis - gestiftet von der Kulturabteilung der Stadt Wien

»The Perpetrator’s Gaze: SS Photographs taken at Concentration Camps«

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Fotografien, die von SS-Männern in Konzentrationslagern aufgenommen wurde. Das Ziel ist nicht nur darzustellen was auf diesen Aufnahmen zu sehen ist, sondern diese als visuelle Erzählungen der Täter über die Konzentrationslager zu deuten. Die Fotografien zeigen, wie die Lager aus Sicht der SS zu funktionieren hatten, sie sind also Ausdruck ideologischer und praktischer Vorstellungen der Täter und erfüllten konkrete Funktionen in der Legitimierung der Konzentrationslager innerhalb der SS und darüber hinaus.


MELONI Greca Nathascia

»Making Honey-Making Identity. Policies and Beekeeping in Sardinia«

The research aims to investigate in which ways ‘identity’ is negotiated, constructed, and
deconstructed by social actors involved in the field of beekeeping in Sardinia (Italy), and how EU policies for environmental management interact to this process.







b) Medizin, Naturwissenschaften und Technik 

SOMMER Nicole

»Immunreaktion auf Magnesiumimplantate im osteoporotischen Knochen«

Osteoporose führt zu einer Schwächung des Knochens, welche mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche einhergeht. Derzeit ist es üblich, Implantate aus Titan oder Stahl zur Stabilisierung von Knochenbrüchen zu verwenden, jedoch sind diese Materialien auf Grund ihrer mechanischen Eigenschaften oftmals nicht ideal und können den Knochen zusätzlich schwächen. Magnesiumimplantate stellen auf Grund ihrer Biokompatibilität und der mechanischen Eigenschaften, welche ähnlich dem Knochen sind, eine gute Alternative dar, jedoch reagiert das Immunsystem unterschiedlich auf diverse Implantatmaterialien. Daher ist das Ziel dieser Studie, Magnesiumimplantate in einem Osteoporosemodell hinsichtlich der Immunreaktion zu untersuchen.


SVATUNEK Dennis

»In vivo Chemie für die Krebstherapie«

In vivo Chemie beschreibt biokompatible chemische Reaktionen, die in Lebewesen durchgeführt werden können. Diese können in der Krebstherapie dazu genützt werden um Therapeutika gezielt in an das Tumorgewebe zu binden oder dort freizusetzen, was die Wirksamkeit erhöht und Nebenwirkungen verringert. Im Rahmen dieses Projektes werden die dazu benötigten chemischen Reaktionen für diese Anwendungen mit Hilfe von theoretischen und experimentellen Methoden optimiert.




c) Rechtswissenschaften 

HEISS Stefan

Stiftungspreis des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie ist das für Verkehrspolitik, Umweltschutz, Energie, angewandte Forschung und Technologieentwicklung

»Künstliche Intelligenz und Haftung«

Unzureichende Haftungsregeln können die Entwicklung neuer Technologien, wie die der
Künstlichen Intelligenz (KI), in eine inadäquate Richtung steuern. Damit Anreize für den Einsatz sozial wünschenswerter KI gesetzt werden, nimmt das Haftungsrecht eine zentrale Bedeutung ein, da es ein wichtiges Instrument der Risikosteuerung darstellt. Ziel des hiesigen Forschungsprojektes ist es, durch ökonomische und rechtsvergleichende Analysen Kriterien zur risikobasierten Unterscheidung zwischen KI-Systemen zu entwickeln. Sodann sind den Risikoklassen angemessene Haftungsregeln zuzuweisen. Je größer das Risiko eines KI-Systems, desto striktere Regeln sollen einhergehen.


d) Sozial- und Wirtschaftswissenschaften

KALLEITNER Fabian 

»Explaining preferences for redistributive taxation«

Die Arbeit untersucht unter welchen Bedingungen Menschen progressiv umverteilende Steuern akzeptieren oder auch einfordern. Um diese Frage zu beantworten, werden experimentelle und nicht experimentelle quantitative Daten analysiert und so gezeigt, wie wichtig Informationen, Fairnessideale und ökonomisches Eigeninteresse für die Steuerwünsche der Bevölkerung sind. 





II. Kunst

a) Bildende Kunst und Fotografie

FILL Daniel

»Fortezza/Franzensfeste«

„Fortezza - Franzensfeste“ ist ein dokumentarisches Filmprojekt über den gleichnamigen Ort und Verkehrsknotenpunkt in Südtirol. Hier treffen die baulichen und gesellschaftlichen Hinterlassenschaften der Habsburger und des italienischen Faschismus auf die vom Massentourismus geprägte südtiroler Gegenwart. Dieser Film wird ein Portrait dieses Ortes und der Menschen, die dort leben.



GAISBACHER Julia

»What remains!?«

"What remains!?“ befasst sich mit dem nicht realisierten Stadtentwicklungsprojekt „Zagreb Manhattan“, dem zivilen Widerstand zur Verteidigung des urbanen, öffentlichen Raums und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Stadt. Während Julia Gaisbacher in dem mehrjährigen Projekt “One Day You Will Miss Me” die Folgen eines überproportionierten Immobilienprojekts auf die historische Stadtstruktur Belgrads mit den Mitteln der Kunst analysierte und verarbeitete, stellt das darauffolgende Projektpendant die Frage, was passiert, wenn ein derartiges geplantes Stadtteilentwicklungsprojekt nicht realisiert wird. Was bleibt von dem geschaffenen öffentlichen Bewusstsein für das Stadtgefüge? Was wird aus den ursprünglich zum Abriss freigegebenen Gebäuden und Arealen? Und welche Form des Protests ist nötig um ein Projektgeschehen zu beeinflussen? Ausgehend von intensiven fotografischen Recherchen, Interviews und weiteren Formen der Bestandsaufnahme vor Ort, entwickelt Julia Gaisbacher multimediale Werkserien deren Materialität auf das Thema und den Ort verweisen.


RIZAJ Stephanie 

Stiftungspreis der Österreichischen Nationalbank

»A Collection of Collective Gestures«

Gesellschaftliche Herausforderungen machen umso deutlicher, dass keine gute Arbeit basierend auf den Prämissen des Individualismus funktioniert. "A Collection of Collective Gestures" untersucht auf interdisziplinäre Weise, Formen des kollektiven Zusammenhalts als performativen Akt.





b) Literatur  

HUBER Sandro

»DOUX«

DOUX ist ein Gedichtzyklus, der sich der Ästhetik des Rokoko bedient, um etwas über die Gegenwart zu lernen. Da sind komplizierte Kommoden, Objekte aus Lack und Porzellan,
Instrumente um dem Anderen zu begegnen. "Das Überflüssige, diese sehr notwendige
Sache", sagt Voltaire dazu.






NIEDERBERGER Lisa Viktoria

»Fische freischneiden«

Ist Romanprojekt rund um das Zwillingspaar Andi und Agnes, ist täglich Benzos und
Ramen zum Abendessen, eine Wohnung voller Umzugskartons, ist Kampfkunst,
Hokkaidokürbisse, die ganze Gärten überwuchern und Kois im Mühlviertel. Trennungen, Tränen, aber auch Versöhnungen und Solidarität zwischen Frauen, die gemeinsam Gewalterfahrungen verarbeiten. Ein Karbonpfeil, der einen Unterarm durchbohrt und Geschenke an einen Mann, der neu in der Nachbarschaft ist.




c) Musik und Komposition 

KIM Sehyung

»re:lunaire«

re:lunaire ist das Stück, das anlässlich des 70. Todesjahres von Arnold Schönberg entstanden ist. Der Titel und die Besetzung des Stücks verweisen auf seinen Stück Pierrot lunaire, op.21. Es handelt sich jedoch keineswegs um eine Fortsetzung des Zyklus oder um einen Versuch, diesen fortzusetzen. Es ist ein Versuch, unsere Zeit durch das Prisma der Figur des Pierrots zu definieren, der nicht mehr existiert. Was von ihm übrig ist, sind die Artefakte seiner Menschlichkeit, ein demenzierendes Bewusstsein in 21 apokalyptischen Momenten des unseren Jahrhunderts.


ERHART Friedrich

Herbert Tumpel-Preis

BRAIN FOCUS - Modulation und Messung der Blut-Hirn-Schranke für die Behandlung von neurochirurgischen Patientlnnen

Die Blut-Hirn-Schranke ist ein aktives neurobiologisches System, das den Eintritt von Substanzen in das Gehirn regelt. Neuartige Methoden der Neurochirurgie, wie der fokussierte Ultraschall, erlauben eine zielgerichtete Öffnung derselben für medizinische Zwecke. Welche Anwendungsszenarien hierfür optimal sind ist jedoch noch kaum erforscht. Im Rahmen des Projektes BRAIN FOCUS sollen erste klinische Applikationen exploriert werden.


CALL FOR APPLICATIONS 2022

(1. Februar bis 30. April 2022)

Hier geht es zur Bewerbung.

Der Theodor Körner Fonds hat sich die Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses zum Ziel gesetzt. Eingereicht werden können in Arbeit befindliche Forschungsprojekte, Veröffentlichungen, Dissertationen, Kunst-, Literatur- und Musikprojekte. Neu gefördert werden außerdem Forschungsdesigns, die als Grundlagen für kompetitive Antragsverfahren dienen sollen (FWF oder mindestens gleichzuhaltend). Eingereichte Projekte müssen durch die BewerberInnen eigenständig konzipiert worden und möglichst binnen zweier Jahre realisierbar sein.

Für die Beurteilung ausschlaggebend ist in erster Linie die wissenschaftliche Exzellenz und Originalität des jeweiligen Antrages. Thematische Vorgaben für Einreichungen gibt es nicht. Da der Theodor Körner Fonds jedoch zur Unterstützung und Förderung der österreichischen Wissenschaft, Kunst und Kultur gegründet wurde, sollte ein Österreichbezug herstellbar sein. Die künstlerische Arbeit beziehungsweise wissenschaftliche Forschung sollte demnach entweder in Österreich geleistet werden oder einen inhaltlichen Bezug zu Österreich aufweisen. Darüber hinaus können ÖsterreicherInnen einreichen, die im Ausland leben und arbeiten. Für EinreicherInnen aus dem Wissenschaftsbetrieb gilt, dass ihr höchster akademischer Abschluss nicht länger als sechs Jahre zurückliegen darf. Bei gleicher Qualifikation werden EinreicherInnen bevorzugt, die über keine universitäre Festanstellung verfügen. Grundsätzlich ist eine akademische Qualifikation keine zwingende Voraussetzung für eine Einreichung. Positiv berücksichtigt wird gegebenenfalls die gesellschaftspolitische Relevanz der eingereichten Arbeit unter dem Gesichtspunkt der sozialen Gerechtigkeit und der demokratischen Teilhabe. Bei gleicher Qualifikation ebenfalls bevorzugt werden Arbeiten, die sich Fragen des Klimawandels bzw. –schutzes widmen. Im Jahr 2022 werden überdies besonders WissenschafterInnen zur Einreichung ermutigt, die sich mit den Auswirkungen der Prekarisierung im Wissenschaftsbetrieb auseinandersetzen.

Der Theodor Körner Fonds vergibt seine Preise ausschließlich für „work in progress“. Das eingereichte Projekt darf bereits begonnen, aber nicht vor Ende des jeweiligen Antragsjahres fertiggestellt worden sein. Die Publikation einer bereits fertiggestellten Arbeit wird nicht gefördert. Desgleichen nicht gefördert werden können Auftragsforschungen, Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten. Von der Bewerbung ausgenommen sind überdies Habilitationsvorhaben.

Das Preisgeld von 5.000,- Euro wird für herausragende Werke oder Forschungsvorhaben vergeben, stellt jedoch eine direkte Förderung der PreisträgerInnen dar. Es darf, muss demnach aber nicht projektgebunden verwendet werden. Ein Nachweis über die Verwendung der Mittel ist nicht erforderlich.

Neben den regulären Preisen des Theodor Körner Fonds wird jährlich ein Herbert Tumpel-Preis im Angedenken an Herbert Tumpel (1948-2018) verliehen. Dieser ist mit € 7.000 dotiert und wird aus den wissenschaftlichen Einreichungen für den Theodor Körner Preis ausgewählt.


Wir freuen uns auf Ihre Einreichung und stehen Ihnen für allfällige Rückfragen gerne zur Verfügung.